Am vierten Jahrestag der umfassenden Aggression der Russischen Föderation gegen die Ukraine bringt der Vorstand der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung seine Solidarität mit dem ukrainischen Volk sowie mit allen zum Ausdruck, die die Folgen dieses Krieges tragen. Zugleich ruft er dazu auf, sich nicht von antieu­krainischer Propaganda beeinflussen zu lassen und die Unterstützung für die Ukraine unvermindert fortzusetzen.

Die Ukraine schützt mit ihrer Verteidigung gegen die Aggression auch andere Völker Europas, die gesamte politisch-kulturelle Gemeinschaft des Westens und deren Werte. Sie verteidigt grundlegende Prinzipien der internationalen Ordnung, darunter die Unverletzlichkeit der Grenzen und das Recht der Völker auf Selbstbestimmung.

Daher sprechen wir den Streitkräften der Ukraine sowie allen ukrainischen Bürgerinnen und Bürgern, die sich auf unterschiedlichen Ebenen an der Verteidigung beteiligen – an der militärischen, informativen, kulturellen, bildungsbezogenen, medizinischen oder lebensmittelbezogenen Front – unsere tiefe Dankbarkeit aus.

Wir bekunden auch unsere Bewunderung für den Mut und den ungebrochenen Verteidigungswillen, den selbst enorme Verluste und das Leid, verursacht durch barbarische und verbrecherische Handlungen des Aggressors, nicht brechen können. Mit großem Respekt stellen wir fest, dass die ukrainische Gesellschaft ihre Identität nicht durch das Leiden, sondern durch Widerstand, Würde und Verantwortung für die Zukunft definiert. Sie nimmt nicht die Haltung eines Opfers ein, sondern die eines aktiven Widerstands gegen die Aggression. Wir erkennen ebenfalls, dass die ukrainische Gesellschaft ein Modell horizontaler Demokratie anstrebt, das auf gemeinsamer Verantwortung der Bürger beruht und nicht auf autoritärer Dominanz. Diese tief in der ukrainischen Geschichte verwurzelte Tradition steht im Einklang mit dem historischen Erbe von Kreisau und den Werten unserer Stiftung.

Wir wenden uns entschieden gegen Narrative, die die Verantwortung der Russischen Föderation für den Krieg relativieren, Ablehnung gegenüber der Ukraine schüren und eine naive Vision eines dauerhaften Friedens um den Preis von Zugeständnissen an Russland zeichnen. Aggressor und Verteidiger ihres Landes dürfen nicht gleichgesetzt werden. Die Russische Föderation kann die Kampfhandlungen beenden, indem sie ihre Aggression einstellt. Würde die Ukraine ihre Verteidigung einstellen, verlöre sie die Möglichkeit, als souveräner Staat weiter zu bestehen.

Wir rufen alle Menschen guten Willens dazu auf, in ihrer Hilfe nicht nachzulassen. Erinnern wir uns daran, dass die Wahl von Haltungen und Werten nicht nur moralische, sondern auch gesellschaftliche und politische Bedeutung hat, denn ihr Charakter ist ansteckend. Durch unsere Haltung können wir in unserer Gesellschaft sowohl Gleichgültigkeit und Egoismus als auch Solidarität und Verantwortung stärken – sowohl Angst und Zweifel als auch Glauben und Hoffnung.

Die Unterstützung, die die Ukraine benötigt, hat sowohl eine materielle als auch eine geistige Dimension. Sie umfasst militärische, finanzielle, infrastrukturelle und medizinische Hilfe, einschließlich der Rehabilitation von Geschädigten. Zugleich schließt sie Empathie, Verständnis und Respekt für die Erfahrung des Leidens ein. Es ist wichtig, dieses Leiden weder zu relativieren noch abzuwerten oder einer moralisierenden Bewertung zu unterziehen.

Ein wichtiger Bestandteil der Solidarität ist die Dauerhaftigkeit des Engagements. Die ukrainische Gesellschaft braucht nicht nur kurzfristige Unterstützung, sondern auch die Gewissheit, dass die europäische Gemeinschaft weder der Müdigkeit noch der Gleichgültigkeit erliegt. Die Entschlossenheit der Ukraine bleibt unverändert, und auf dem Spiel steht die Zukunft einer Ordnung, die auf der Würde des Menschen, Verantwortung und Freiheit beruht.

Am vierten Jahrestag des umfassenden Krieges bekräftigen wir, dass die Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung auf der Seite von Freiheit, Wahrheit und Würde steht. Diese Solidarität ist nicht nur eine institutionelle Position, sondern eine gemeinsame Haltung unserer gesamten Gemeinschaft – des Vorstands, der Mitarbeitenden, der Kooperationspartner, der Freiwilligen, der Partnerorganisationen sowie der Programm- und Beratungsgremien. Als mit Kreisau verbundenes Umfeld erklären wir, dass wir der Ukraine und ihrer Gesellschaft im Geist verantwortungsvoller, langfristiger Solidarität verbunden bleiben werden.

Vorstand der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung

Dorota Krajdocha, Dr. hab. Robert Żurek

 

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