
Appell des Vorstands der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung
Angesichts des weiterhin anhaltenden russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine sowie der hybriden Kriegsführung in den europäischen Ländern und Gesellschaften ruft der Vorstand der Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung die Öffentlichkeit zu erneuter und sichtbarer Solidarität mit den Ukrainerinnen und Ukrainern auf – mit jenen, die in ihrer Heimat unter schwersten Bedingungen ausharren, ebenso wie mit denen, die nach Polen, Deutschland und in andere europäische Länder fliehen mussten.
Die Geschichte Kreisaus verpflichtet uns zu diesem Appell. Das Erbe des Kreisauer Kreises, sein Einsatz für menschliche Würde, Frieden und Versöhnung, ist ein moralischer Maßstab, der uns gerade in dieser Zeit Orientierung gibt. Wie die Kreisauer Widerstandskämpfer einst in dunkelsten Tagen für eine gerechte und friedliche Zukunft Europas eintraten, so sind auch wir heute aufgerufen, den bedrohten und angegriffenen Menschen beizustehen – mutig, solidarisch und konsequent.

Für drei Tage im November wurde Kreisau/Krzyżowa zum Treffpunkt der Generationen, als ehemalige Pax-Christi-Freiwillige zurückkehrten, um 30 Jahre Partnerschaft zwischen Pax Christi und der Stiftung Krzyżowa zu feiern. Es war eine wunderbare Erinnerung daran, wie dieser Ort seit 1994 junge Menschen geprägt hat.
Die Atmosphäre an diesem Wochenende war etwas Besonderes. Menschen, die sich noch nie begegnet waren, sprachen miteinander, als würden sie sich schon lange kennen - verbunden durch die gemeinsame Erfahrung eines Freiwilligenjahres, das oft die Sicht auf die Welt verändert hat.
„Durch dieses Jahr hier in Krzyżowa wurde die Idee umgesetzt, dass vielleicht das Unterrichten als Beruf eine gute Sache wäre. Und genau das mache ich jetzt.“ - Sabine (ehemalige Freiwillige)
Lebenslange Verbindungen
Die Rückkehr von Freiwilligen aus verschiedenen Epochen - von 1994 bis 2024 - zeigte, wie das Programm persönliche Entwicklung, interkulturellen Dialog und dauerhafte Freundschaften gefördert hat. Viele Teilnehmer beschrieben Krzyżowa als wichtigen Meilenstein auf ihrem Lebensweg.
In offenen Diskussionen, Spaziergängen rund um den Palast und Gesprächen in unserem Café „U Hrabiego“ reflektierten sie über die Kontinuität von Krzyżowas Mission und die Werte, die sie Jahre später noch begleiten.
„Vor 10 Jahren hatte ich eine wunderbare Zeit mit so vielen neuen internationalen Freundschaften und neuen Erfahrungen.“ - Judith (ehemalige Freiwillige)

Die Stiftung Kreisau für Europäische Verständigung wurde auf Initiative von Menschen gegründet, die sich für den beschwerlichen deutsch-polnischen Dialog engagierten. Trotz der enormen Schwierigkeiten, die sich aus dem tragischen Erbe des Zweiten Weltkriegs und den über die Jahrzehnte hinweg angesammelten Vorurteilen und Ressentiments ergaben, setzten sie sich unermüdlich dafür ein, die Gräben zwischen der polnischen und der deutschen Gesellschaft zuzuschütten. Dazu gehörte die Auseinandersetzung mit unserer gemeinsamen Geschichte, das Eingeständnis von Unrecht, die Verurteilung der Täter und die Wahrung des Gedenkens an die Opfer.
Vor dem Hintergrund dieses Erbes sind wir uns der Herausforderungen, vor denen Polen und Ukrainer stehen, ausgesprochen bewusst. Wir wissen, wie viel an Geduld und tatkräftigem Einsatz es bedarf, um unermüdlich auf einen Dialog über unsere gemeinsame Vergangenheit hinzuarbeiten, der die Würde der Gesprächspartner achtet und zugleich auf Wahrheit basiert.
Gleichwohl wissen wir aus der Erfahrung des deutsch-polnischen Dialogs, wie sehr diesem Prozess Maßnahmen im Wege stehen können, die die Qualität der gegenseitigen Beziehungen nicht gebührend berücksichtigen.
Daher blicken wir mit großer Sorge darauf, dass gegenwärtig eine antiukrainische Rhetorik um sich greift, die die Geschichte instrumentalisiert und die Gesellschaften beider Länder gegeneinander aufbringt – all das in dem historischen Moment einer gemeinsamen, immensen Bedrohung, also der militärischen Aggression Russlands gegen die Ukraine sowie hybrider Angriffe auf Polen und andere westliche Länder.

Am 10. und 11. Oktober 2025 trafen sich in Krzyżowa die Mitglieder des Aufsichtsrates und des Stiftungsrates. Für die Mitglieder des Stiftungsrates war es die letzte Sitzung der laufenden Amtsperiode (2020–2025). Während des Treffens wurden gemeinsam die wichtigsten Herausforderungen, vor denen die Stiftung steht, diskutiert und die vergangenen fünf Jahre bilanziert.
Wir sprechen allen Mitgliedern des Stiftungsrates, deren Amtszeit nun endet, unseren herzlichen Dank aus – für fünf Jahre Engagement und Unterstützung der satzungsgemäßen Aktivitäten der Stiftung, für die fachliche Zusammenarbeit und den Beitrag zur Stärkung der Stabilität unserer Organisation.
Wir danken Ihnen für diese wertvolle Zeit der Zusammenarbeit und wünschen Ihnen alles Gute und viel Erfolg für Ihre weitere berufliche und gesellschaftliche Tätigkeit.
Weiterlesen: Der Stiftungsrat der Stiftung Kreisau zog eine Bilanz der fünfjährigen Tätigkeit