
„Transformation und Dissens – Gedenken in Europa seit 1989”
Erinnerung ist selten harmonisch: Sie ist konflikthaft, vielstimmig und von gesellschaftlichen Auseinandersetzungen geprägt. Nach 1989/90 stießen in Gedenkstätten Ost- und Westeuropas Narrative über NS-Verbrechen und kommunistische Herrschaft aufeinander. Diese Konflikte wurzeln im verordneten Antifaschismus der DDR und Osteuropas einerseits sowie in westdeutschen und westeuropäischen Deutungen des Nationalsozialismus, die die kommunistischen Verbrechen lange marginalisierten. Das Ringen um die Shoah-Erinnerung und das Gedenken an die stalinistischen Massenverbrechen war geprägt von Aushandlungsprozessen und führte zu neuen Debatten über bislang übersehene Opfergruppen. Erinnerung geht nicht in Konsens auf, sondern ist von Dissens geprägt – produktiv, wenn er sichtbar wird und Debatten anstößt. Die Gedenkstättentagung 2026 richtet den Blick auf die Transformation europäischer Gedenk- und Lernorte nach 1989/90 und fragt: Wie veränderten sich Narrative, Orte und Museen seit 1989? Wie kontrovers wurden diese Umbrüche vor Ort und in den Gesellschaften diskutiert? Welche Konflikte prägten sie, und wie werden diese in der eigenen Gedenkstättengeschichte reflektiert, kuratiert oder in der Bildungsarbeit produktiv gemacht – oder eher tabuisiert?
Weiterlesen: 23. Ost-West-Europäisches Gedenkstättentreffen Kreisau, 08. bis 11. April 2026

Das 22. Ost- und Westeuropäische Gedenkstättenseminar, das vom 19. bis 22. März 2025 Experten, Forscher und Vertreter von Gedenkstätten aus ganz Europa in Kreisau zusammenbrachte, ist zu Ende gegangen. Im Mittelpunkt der diesjährigen Ausgabe standen die Rolle von Bildern und Fotografien bei der Gestaltung des historischen Gedächtnisses sowie die Herausforderungen, die das moderne digitale Zeitalter und die Entwicklung der künstlichen Intelligenz mit sich bringen.
Wichtige Überlegungen und Diskussionen
Images of Violence, das Eröffnungspanel, das sich mit der Interpretation von Fotografien befasste, die Kriegsverbrechen dokumentieren. Wie eine Person bemerkte: „Es gibt viele Fotos, die auf den ersten Blick kein Leid zeigen, aber die Frage, wie sie zu interpretieren sind, muss beantwortet werden“.
Bilder der Lager - eine Diskussion über die visuelle Dokumentation von Hinrichtungsstätten und ihre Auswirkungen auf das kollektive Gedächtnis.
Bilder der Besatzung - ein Gespräch über die fotografische Aufzeichnung der Besatzungserfahrung und ihre Verwendung bei der Konstruktion historischer Erzählungen. Experten wiesen auf die Gefahren der Manipulation von Bildern hin und stellten fest, dass „Propaganda nur dann Macht hat, wenn wir die Geschichte nicht kennen.“
Sowjetische Denkmäler - das Thema des Vorhandenseins und der Entfernung sowjetischer Denkmäler im öffentlichen Raum und ihre Rolle im historischen Gedächtnis nach 1990.
Studienreise nach Breslau - die Teilnehmer hatten die Möglichkeit, die Veränderungen in der Wahrnehmung von Denkmälern vor und nach 1989 zu analysieren.
Versöhnung und visuelles Gedächtnis - ein abschließendes Panel, das die Bedeutung von Versöhnungsgesten und ihren Bildern in der öffentlichen Debatte diskutierte.
Weiterlesen: 22. Seminar der Gedenkstätten in Kreisau - Zusammenfassung
„Bilder, Macht und Deutungskämpfe in Europa zwischen 1945, 1990 und 2025“
In wenigen Tagen findet in Krzyżowa/Kreisau das 22. Ost-West-Europäische Gedenkstättentreffen statt, das sich mit dem historischen Bildgedächtnis im Kontext zweier historischer Zäsuren beschäftigt: „80 Jahre Kriegsende“ und „35 Jahre Jahre Zusammenbruch der kommunistischen Staaten“.
Die Konferenz wird sich mit der Rolle von Fotografie und Bildern in der historischen Erinnerung an die Ereignisse des 20. Jahrhunderts in Ost- und Westeuropa befassen. Wie wurden Fotografien vor und nach 1990 in Gedenkstätten, in Museen, Dokumentationszentren und Ausstellungen eingesetzt? Welche Veränderungen gab es in der Verwendung von Bildern und historischen Narrativen nach den Umbrüchen der Jahre 1989–1990? Und welche Herausforderungen bringt das digitale Zeitalter mit sich – insbesondere mit Blick auf die Entwicklung der künstlichen Intelligenz?
Ziel der Tagung ist es, zu verstehen, wie Bilder, Filme und Fotografien, die während des Kalten Krieges auf beiden Seiten des Eisernen Vorhanges als Beweismaterial in juristischen Prozessen eingesetzt wurden, die kollektive Erinnerung in Europa beeinflussten. Wie wurden sie nach 1990 zu Elementen konkurrierender historischer Erzählungen? Im Kontext der nationalsozialistischen Verbrechen, deren Bilder in Westeuropa ein fester Bestandteil des kollektiven Gedächtnisses sind, sowie der stalinistischen Verbrechen, die lange Zeit ignoriert und oft ohne visuelle Beweise blieben, wird die Konferenz auch die Unterschiede in der Erinnerung an diese beiden totalitären Regime thematisieren.
Angesichts fortschreitender Digitalisierung, der Abnahme von Zeitzeugenberichten und der Gefahr der visuellen Manipulation stellt die Tagung die Frage nach der aktuellen Rolle von Bildern in der Gestaltung zeitgenössischer Narrative über Kriegsverbrechen und Besatzungsregime. Wie verändert sich der Einsatz visueller Materialien im Zeitalter sozialer Medien und digitaler Propaganda?
„Bilder, Macht und Deutungskämpfe…“ lädt zu einem internationalen Dialog ein, um zu diskutieren, wie verschiedene Gesellschaften mit der Erinnerung an die einschneidenden Ereignisse des 20. Jahrhunderts umgehen. Die Konferenz bietet Museen, Gedenkstätten, Forschenden und Expert*innen eine Plattform für den Austausch von Erfahrungen und Ideen und fördert eine kritische Reflexion über die Erinnerungskultur in modernen Demokratien.
Die Veranstaltung wird durch das polnische Ministerium für Kultur und Nationales Erbe im Rahmen des in Krzyżowa/Kreisau umgesetzten Projektes „Umfassende Betreuung des Programms zur Erinnerung an den 80. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs und zur Würdigung der Maßnahmen zur Überwindung der Kriegsfolgen in Europa“ gefördert.
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Die Reise beginnt an der Katholischen Landvolkshochschule in Freckenhorst (bei Warendorf, nahe Münster), die auch Reiseveranstalterin ist. Interessierte können weitere Informationen auf der Homepage der LVHS finde:
https://www.lvhs-freckenhorst.de/seminar/24-016Z50 ,
dort kann man sich auch anmelden. Bei dieser Studienfahrt ist Kreisau in einen landwirtschaftlichen Kontext eingebunden – der ja früher von entscheidender Bedeutung für den Ort war.
Weiterlesen: Eine Agrarpolitische Studienwoche nach Berlin und Schlesien führt auch nach Kreisau