Der deutsch-polnische Gesprächskreis der Kopernikus-Gruppe traf sich zu seiner

siebenundvierzigsten Sitzung vom 19. bis 21. März 2026 in Stettin. Auf der Grundlage der dort geführten Diskussionen ist das vorliegende Papier entstanden.

 Prof. Dr. Peter Oliver Loew; Dr. hab. Robert Żurek; Darmstadt, Krzyżowa 26. Mai 2026

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 Arbeitspapier XXXVII der Kopernikus-Gruppe

Der deutsch-polnische Grenzraum: Gemeinsam Resilienz stärken

Der deutsch-polnische Grenzraum ist beispielhaft für eine sehr fortgeschrittene grenzüberschreitende Zusammenarbeit in Europa. Innerhalb der letzten drei Jahrzehnte ist es gelungen, ein dichtes Netz institutioneller, gesellschaftlicher und operativer Verbindungen aufzubauen, die bei allen Herausforderungen (Pandemie, Kriege, vorübergehende Grenzkontrollen) auf vielen Gebieten zuverlässig und stabil sind. Insbesondere hervorzuheben sind:

  • Integration der Infrastruktur von Verkehr und Kommunen,
  • Entstehen dauerhafter Verbindungen bei Gesundheitswesen, Bildung und Wissenschaft,
  • Entwicklung der Zusammenarbeit von Rettungsdiensten und Strukturen der Krisenbewältigung,
  • Ausarbeitung von rechtlichen Rahmenbedingungen und Prozeduren, um gegenseitige Hilfe zu ermöglichen,
  • langsames Durchbrechen gesellschaftlicher und kultureller Barrieren, die heute eine viel geringere Bedeutung haben als noch in den 1990er Jahren.

Die deutsch-polnische Zusammenarbeit im Grenzraum hat somit eine praktische und alltägliche Dimension. Zugleich zeigen die Erfahrungen der letzten Jahre, dass dieses Modell der Zusammenarbeit einen gewissen Sättigungsgrad erreicht hat. Deutschland ist für Polen kein Vorbild mehr bei wirtschaftlicher Entwicklung, Innovativität oder Verwaltung. Die Vertiefung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit bietet polnischen Selbstverwaltungen oder anderen engagierten Einrichtungen auch keinen einfachen politischen Mehrwert. Im Gegenteil, sie kann leicht von politischen Gegnern angegriffen werden. Ein Beispiel hierfür sind die Kontrollen und Blockaden an der Grenze sowie das sich hinziehende Problem moderner und notwendiger Eisenbahnverbindungen.

Die institutionelle Zusammenarbeit funktioniert angesichts dessen zwar ordentlich, generiert aber immer seltener innovative Entwicklungsimpulse. In vielen Bereichen ist ihr Charakter von Routine, Projektlogiken oder reaktivem Handeln geprägt, nicht von strategischer Planung.

Vor dem Hintergrund der sich verändernden Sicherheitsumgebung etwa durch hybride Bedrohungen, infrastrukturelle Engpässe oder Umweltkrisen verlangt das bisherige Modell der Zusammenarbeit nach Vertiefung und Umgestaltung. Anderenfalls droht uns der Verlust von Glaubwürdigkeit und steigende Gleichgültigkeit gegenüber dem Schicksal des Nachbarn.
Der Grenzraum muss zu einem Raum werden, in dem die Resilienz des Staates beispielhaft gestärkt werden kann – verstanden als Fähigkeit zur Vorbeugung, Reaktion und Anpassung in Krisensituationen. Hierzu gehören die Fähigkeiten zu:

  • rascher Reaktion,
  • Entscheidungsfindung in Echtzeit,
  • gemeinsames Handeln (Synergien) über die Grenze hinweg.

Die Ergebnisse der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit sind ein solides Fundament, um ein höheres Stadium der Integration zu erreichen: Von der Zusammenarbeit zum gemeinsamen Handeln.

Die bislang erarbeiteten Mechanismen der Zusammenarbeit sollten in ein wahrhaft interoperatives System umgewandelt werden:

  • unverzügliche Modernisierung sowie verbesserte Verflechtung des Eisenbahnnetzes im Grenzraum,
  • integrierte Warnsysteme für die Bevölkerung,
  • gemeinsame Reaktionsprozeduren,
  • kompatible Kommunikations- und Datenübertragungssysteme.

Das gemeinsame Handeln erfordert heute gemeinsame operative Übungen, das reale Testen von Prozeduren und die Möglichkeit, „hier und jetzt“ zu handeln, ohne dass die Existenz der Grenze dabei störend wirkt.

Der bisherige Erfolg der grenznahen deutsch-polnischen Zusammenarbeit war das Ergebnis einer wachsenden gesellschaftlichen Akzeptanz und des Abbaus kultureller Barrieren. Heute ist jedoch die fehlende Motivation zur weiteren Vertiefung der Beziehungen ebenso eine Herausforderung wie die politische Instrumentalisierung der gemeinsamen Grenze. Darum ist es notwendig, die grenzüberschreitenden gesellschaftlichen Verbindungen im Kontext der Sicherheit, der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen zu stärken.

Die Kopernikus-Gruppe ermutigt die in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit engagierten Personen und Institutionen, sich weiterhin mit unverminderter Kreativität und großem Engagement für deren Vertiefung einzusetzen und dabei die oben genannten aktuellen Herausforderungen zu berücksichtigen. Zugleich appellieren wir an die Regierungen beider Staaten, diese Aktivitäten konsequent zu unterstützen.

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Die Kopernikus-Gruppe ist ein Projekt des Deutschen Polen-Instituts und der Stiftung Kreisau

für Europäische Verständigung. Die Sitzung in Stettin wurde gefördert von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.

Kontakt:

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Peter Oliver Loew: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

 

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